QWIC RD11 Speed (2020)

Mit der Auflösung der Heckmotorschmiede GO SwissDrive Anfang 2019 sind eigentlich fast alle günstigen Nabenmotor-SPedelecs vom deutschen Markt verschwunden. Dass es jedoch auch anders geht, beweist QWIC: Mit dem RD11 Speed schickt die niederländische Fahrradmarke ein spannendes Rad mit vernünftigen Komponenten auf den Markt, welches deutlich unter der 5000€-Grenze geführt wird.

Das QWIC RD11 Speed bewegt sich mit einem Listenpreis von 4299€ (mit dem 735Wh-Akku. Bis zum 31.12.20 nur 3899€) im ähnlichen Preissegment wie beispielsweise S-Pedelec-Einsteigermodelle von Cube oder Haibike mit Bosch-Mittelmotor. Für vergleichbare Modelle der Nabenmotor-Mitbewerber, wie etwa dem Flyer Upstreet 6, dem Stromer ST1 oder dem Klever X-Speed legt man da schon mal ein- bis zweitausend Euro mehr an den Tisch.

Im November 2020 hatte ich dank der tollen Crew von Radsport Trübenbacher // Fahrbar Bikes die Gelegenheit, das RD11 Speed mit dem 735er-Akku für drei Tage probe zu fahren. In diesem Artikel erfahrt ihr, ob der Direktläufer für den günstigen Preis zu viele Abstriche machen muss, oder ob er ein regelrechter „Mittelmotor-Killer“ ist.

Vorab: Alle Daten und Schilderungen in diesem Artikel beziehen sich auf das RD11 Speed mit dem 735er-Akku. Geschwindigkeitsmessungen wurden mit dem GPS-Sensor meines Smartphones durchgeführt.

QWIC RD11 Speed 2020 – Technische Daten

MotorTDCM 45 kmh
Drehmoment Motor50 Nm
Batterieauswahl(525Wh oder) 735 Wh
Gewicht ohne Akku26,8 kg
SchaltungShimano SLX 11
Reifengröße28″
ReifenSchwalbe Marathon GT
Bremsen vorne/hintenMagura MT5e
FrontlichtBusch + Müller IQ-X 150 Lux
FedergabelSuntour E45 Mobie Air
Daten entnommen der QWIC-Page und der offiziellen Betriebsanleitung.

Motor

Das RD11 Speed besitzt einen Hinterradnabenmotor aus dem Hause TDCM – der gleichen Firma, die auch für Klassenprimus Stromer die Motoren fertigt. Das System arbeitet mit einer Spannung von 36V und ist im Betrieb vollkommen lautlos. Eine Rekuperation gibt es nicht.

Motorleistung

Um die Aufregung etwas vorweg zu nehmen: Ja, der Motor des QWIC RD11 Speed ist stark genug, um in der Ebene 45 km/h (GPS) zu fahren. Die Endgeschwindigkeit wird recht schnell erreicht. Steigungen von 10% werden mit ca 20 km/h bewältigt. Auch leichter Gegenwind stellt kein Problem dar.

Das sind allesamt solide, alltagstaugliche Werte – allerdings gibt es ein „aber“: Der verbleibende SoC wirkt sich nämlich spürbar auf die erreichbare Endgeschwindigkeit aus. In meinen Testfahrten konnte ich folgende reproduzierbare Beobachtungen machen: Bis zur 50%-Marke schiebt der Motor auf 45 km/h. Darunter verliert er sukzessiv an Leistung. Ungefähre Richtwerte:

  • 40% SoC: 43 km/h
  • 35% SoC: 40 km/h
  • Unter 15% ist man noch mit 38 km/h unterwegs. Diese Geschwindigkeit wird bis zur 5%-Marke gehalten.

Zugegeben: diese Leistungsrücknahme liest sich relativ brutal. Ich denke aber, dass sie bei alltäglichen Pendelfahrten hinsichtlich der Durchschnittsgeschwindigkeit keine übermäßig große Rolle spielt. Dennoch ist es wichtig, darauf hinzuweisen.

Unterstützungscharakteristik

Der Motor unterstützt die getretene Leistung sehr harmonisch. Stellt man das Treten ein, schiebt der Motor noch für einen Zeitraum knapp unter einer Sekunde nach, bevor er die Leistung zurücknimmt.

Zwei Auffälligkeiten gibt es auch hier zu beobachten: Wenn man das kraftvolle Treten zwar stoppt, aber weiter „pseudopedaliert„, versucht das System weiterhin die Geschwindigkeit zu halten. Dies kann man tatsächlich soweit treiben, dass man die Kurbel in seeehr starker Zeitlupe weiterbewegt und trotzdem noch nördlich der 40 km/h unterwegs ist. Erst, wenn man die Kurbelbewegung für einen kurzen Zeitpunkt (auch hier wieder: <1 Sek) komplett einstellt, reduziert auch das System die Leistung.

In der Praxis begegnet einem dieser Effekt, wenn man auf eine Kreuzung oder Kurve zufährt und aufhört zu treten, die Kurbel aber noch ein, zwei Umdrehungen weiter dreht, um die Kettenschaltung in einen niedrigeren Gang zu legen. Abhilfe schafft hier nur, entweder kurz das Treten komplett einzustellen oder leicht am Bremshebel zu ziehen: auch dieser schaltet die Unterstützung sofort ab.

Eine weitere Sache, die QWIC etwas unkomfortabel gelöst hat, ist die Abschaltung der Unterstützung jenseits der 45 km/h: diese geschieht nämlich nahezu von 100 auf 0. Dies ist besonders bei leichten Bergabfahrten spürbar. Durch die rigorose Rücknahme der Motorkraft entsteht hier oft ein unangenehmer Pendeleffekt um die Unterstützungsgrenze: „Unterstützung an – aus – an – aus“. Mit einer etwas weicheren, toleranteren Leistungsrücknahme über 2-3km/h hätte dies weitaus harmonischer gelöst werden können.

Anpassen der Motorunterstützung

Die Kraft der Motorunterstützung lässt sich in 5 Stufen einstellen. Außerdem stehen zur Anpassung der Unterstützungscharakteristik drei Stufen zur Verfügung, die über die QWIC Dashboard-App gewechselt werden können.

Die Leistungsstufen sind unterteilt in Stufe 0-4:

Stufe 0Motorunterstützung aus
Stufe 1minimale Unterstützung, sehr nahe an Stufe 0
Stufe 2für Geschwindigkeiten um ca 22 km/h
Stufe 3gute Unterstützungsstufe für 30er-Zonen
Stufe 4maximale Leistung

Mit diesen Stufen kommt man in allen Situationen sehr gut aus. Da die Unterstützung in Stufe 1 fast zu vernachlässigen ist, würde ich mir allerdings wünschen, dass Stufe 1 leistungsmäßig eher auf Stufe 2 wäre und die drei höchsten Unterstützungslevel dafür enger gestaffelt wären.

Die drei Unterstützungsprofile heißen „Stadt„, „Trekking“ und „Klettern„. Sie sind nicht über das Bedienteil, sondern nur über die App umschaltbar. Top: Sie können auch während der Fahrt gewechselt werden und unterscheiden sich vorwiegend im unterschiedlichen Beschleunigungsverhalten, wobei „Stadt“ die schwächste, „Klettern“ die stärkste Unterstützung erfährt. Leider hat die Auswahl der Charakteristik keine Auswirkung auf die harte Abschaltung der Motorunterstützung über 45 km/h.

Abgesehen davon, dass die meisten S-Pedelec-Fahrer höchstwahrscheinlich permanent das „Klettern“-Profil nutzen werden, finde ich die Namen der drei Profile etwas irreführend: gerade im Stadtverkehr ist man eigentlich auf eine möglichst schnelle Beschleunigung angewiesen, um auf der Straße kein Hindernis darzustellen.

Akkusystem

Das QWIC RD11 Speed kann wahlweise mit einem 525Wh-Akku oder für 400€ mehr mit einem 735Wh-starken Speicher gekauft werden. Man muss es in ganzer Deutlichkeit sagen: Der 525er-Akku macht an einem Rad mit dieser Motorleistung überhaupt keinen Sinn. Spart wegen mir, woran ihr wollt: aber der 735er ist der einzig richtige Akku für dieses Rad. Zumal es das Upgrade auf den großen Speicher in einer Aktion bis zum 31.12.2020 momentan ohne Aufpreis gibt.

Akku und Ladegerät: Daten, Details und Handling

Der Akku wiegt ziemlich genau 4 kg und hat die Abmessungen 46*6,5*10cm.

Und – Hurra! QWIC setzt auf eine teilintegrierte Lösung auf dem Unterrohr, welche ein rasches Entnehmen des Akkus ohne lästige Abdeckklappen ermöglicht. Zur Entnahme werden zwei Hände benötigt: Mit der einen öffnet man das Schloss, die andere nutzt einen kleinen Hebel, um den Akku aus der Fixierung zu ziehen.

Der Hebel dient nicht nur zur leichteren Akkuentnahme: an ihm lässt sich der Speicher auch gut einhändig tragen. Ob dies allerdings eine Zweckentfremdung und der Hebel eine reine Ausklapphilfe ist, darüber schweigt sich QWIC in der Anleitung leider aus.

Zum Einlegen des Akkus wird der Schlüssel nicht benötigt: Der Speicher wird einfach am unteren Ende in die Aussparung gesetzt und dann oben eingedrückt. Am Anfang ist es etwas schwer, den korrekten Winkel zu finden, in dem der Akku in den Rahmen gesetzt werden möchte. Außerdem vermisse ich ein sattes Geräusch beim Einrasten des oberen Haltebolzens – so muss man nach dem Einsetzen des Akkus erst einmal etwas herumwackeln, um sich von der korrekten Fixierung zu überzeugen.

Am oberen Ende des Akkus befindet sich neben dem Stromanschluss fürs Fahrrad auch eine USB-A-Buchse, durch die man den Energiespeicher als Powerbank benutzen kann. Der Anschluss unterstützt, passend zur Fahrradmarke – Füße hoch – Quick Charge!

Unten links am Akku befindet sich der Anschluss für das Ladegerät. Die Position erlaubt es, den Speicher zum laden auch im Fahrrad zu belassen. Die Buchse ist durch einen kleinen Gummideckel geschützt, der allerdings einen etwas windigen Eindruck macht.

Das Ladegerät hat eine Leistung von 4A, sitzt in einem Kunststoffgehäuse und verfügt über eine Status-LED (grün: bereit/fertig geladen; rot: ladend). Da es passiv gekühlt ist, ist es praktisch lautlos. Allerdings wird es dadurch während des Ladevorgangs auch sehr warm.

Die Ladedauer des großen Akkus gibt QWIC mit 5,5 Stunden an, was auch der Realität entspricht. Der Ladevorgang verläuft recht linear, weshalb die Daumenregel „eine Stunde am Netz = 20% Kapazität“ eigentlich immer passt.

Reichweite

Da der typische SPed-Pendler ja nicht fährt, um möglichst wenig Strom zu verbrauch, sondern, um möglichst rasch anzukommen, wurden drei Reichweitentests mit größtmöglicher Unterstützung und dem Profil „Klettern“ durchgeführt. Die äußeren Faktoren waren bei allen drei Fahrten ziemlich ähnlich: Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich und kein nennenswerter Wind. Da der energetische Aufwand bei hohen Geschwindigkeiten für eine ausreichende Eigenerwärmung des Energiespeichers sorgt, kann der Einfluss der niedrigen Temperatur als gering angesehen werden.

Bei allen Fahrten war nach etwa 40km die 5%-Kapazitätsgrenze erreicht. Das ist okay, diesen Wert hatte ich so auch erwartet. Der im QWIC-Handbuch angegebene Aktionsradius von 25-35km ist allerdings definitiv unrealistisch.

Auch, wenn man es nicht macht und es mich innerlich geschmerzt hat, habe ich den Akku im Dienste der Wissenschaft tatsächlich einmal komplett leer gefahren. Daraufhin schaltet sich lediglich die Motorunterstützung ab – Display, Lichtanlage und auch Bluetooth-Verbindung bleiben aktiv.

Erhöhung der Reichweite

Um den Aktionsradius eines S-Pedelecs zu erweitern, gibt es zwei Lösungen (NEIN, langsam fahren ist KEINE Lösung!): Einen Zweit- oder einen Extenderakku anschließen.

Durch seine Länge von 46 cm ist ein Zweitakku am Rad selber nur schwer unterzubringen. In einer großen Gepäckträgertasche wäre das Mitführen hier am sinnvollsten.

Die Erweiterung durch einen Extenderakku erfordert nicht selten eine Modifikation des Systems, die man bei einem Leihfahrrad natürlich nicht vornehmen möchte. Jedoch habe ich ausprobiert, was passiert, wenn das System bei angeschlossenem Ladegerät gestartet wird. Hier zeigte sich, dass das Rad sich zwar im ersten Moment normal verhält und bei Pedalbewegung auch Schub gibt. Allerdings wechselt es, sobald es keinen Tretimpuls mehr bekommt, in den Lademodus: Motor und Lichtanlage schalten sich aus und auf dem Display sieht man nur noch den Ladestand.

Display und Konnektivität

Display

Das Standard-Display des RD11 Speed ist so minimalistisch, dass selbst das Bosch Purion im Vergleich fast überladen wirkt:

Es verfügt über vier Knöpfe:

  • Ein/Aus
  • Unterstützung hoch
  • Unterstützung runter
  • Anzeigenwechsel/Schiebehilfe

Leider lassen sich die Knöpfe zur Unterstützungsregelung durch ihre geringe Größe manchmal recht schwer bedienen. Insbesondere mit Handschuhen fällt das Wechseln der Stufe nicht leicht.

Das Display selbst zeigt folgende Werte an:

  • Geschwindigkeit. Die angezeigten Werte sind recht akkurat; der Tacho eilt etwa 1 km/h voraus.
  • Restreichweite. die Anzeige ist hierbei recht sprunghaft: Fährt man nur für wenige 100m eine Steigung hinauf, bricht die Reichweite rasch in sich zusammen.
  • verbleibende SoC in 20%-Schritten
  • momentane Unterstützungsstufe
  • Bluetooth-Verbindung: Kontrollsymbol

Durch die kompakte Größe des Displays muss man wählen, ob die große Ziffer die Geschwindigkeit oder die Restreichweite anzeigen soll.

Auch das Display verfügt über einen USB-Anschluss mit Quick-Charge Funktion. Praktisch, wenn das Telefon gleichzeitig noch als Dashboard oder Navi genutzt wird.

Eine Möglichkeit, die Tageskilometer oder das Odometer auf dem Display anzusehen, gibt es nicht. Hierzu benötigt man zwingend entweder das größere Flatscreen-Display für 150€ Aufpreis. Oder man nutzt die…

App

Die QWIC Dashboard-App gibt es für Android und iOS und verbindet sich per Bluetooth mit dem Radl. Bei meinem Samsung Galaxy S8 funktionierte dies schnell und ohne Verbindungsabbrüche. Die App verfügt über einen Tag- und einen Nachtmodus (heller bzw. dunkler Hintergrund). Am oberen Rand ist eine Leiste angebracht, in der ein kleines Wettersymbol mit Temperatur, die Uhrzeit und die verbleibende SPed-Akkukapazität in Prozent (Genial!) angezeigt wird. Leider ist die Statusanzeige des Telefons in der Dashboard-App nicht zu sehen.

In der App gibt es drei Seiten:

Dashboard

Hier dominiert die große Geschwindigkeitsanzeige. Unter ihr werden in zwei Spalten vier Werte angezeigt: Dauer (Fahrzeit), verbrannte Kalorien, Durchschnittsgeschwindigkeit und die Höchstgeschwindigkeit. Durch hochswipen kann man noch weitere zwei Werte sehen: Drehung (Kadenz; leider recht sprunghaft in der Anzeige) und das Odometer. Die Anordnung der Werte hätte ich gerne anders gehabt: so kontrolliere ich Kadenz und Kilometerstand weitaus öfter als beispielsweise Höchstgeschwindigkeit oder Kalorien – zumal man immer wieder hochswipen muss, wenn man auf eine andere Seite und wieder zurück wechselt.

Etwas versteckt findet man hier auch den Reiseverlauf, bei welchem man die Fahrleistungen der Woche, des Monats bzw. des Jahres kontrollieren kann und der lokal auf dem Telefon gespeichert wird:

Einstellungen

In den Einstellungen kann man zwischen den verschiedenen Unterstützungsprofilen wechseln – auch während der Fahrt. Außerdem gibt es hier Zugriff auf Daten zur Rahmennummer, Softwareversion, gewählten Unterstützungsstufen und zum Akkuzustand:

Profil

Hier kann man durch „ausloggen“ den lokal gespeicherten Reiseverlauf löschen.

Die QWIC Dashboard-App ist also im Großen und Ganzen eine App, die zwar teilweise etwas unübersichtlich strukturiert und sperrig übersetzt ist, aber viele interessante Daten zur Verfügung stellt. Oh, und man kann seinem Rad natürlich auch einen individuellen Namen geben 🙂 Um alle Bereiche des QWIC RD11 Speed auszuloten, ist die Nutzung der App fast zwingend notwendig. Im alltäglichen Pendeleinsatz wird es jedoch sicherlich öfter vorkommen, dass das Telefon einfach in der Hosentasche bleibt.

Verbaute Komponenten

Schaltung

die Shimano SLX schaltet so, wie man es von einer SLX erwartet: butterweich und ohne hakeln.

Bremsen

Zugegeben: in diesem Preissegment hätte ich das nicht erwartet. Aber QWIC spendiert dem RD11 sowohl vorne als auch hinten eine Magura MT5e. Das ist mehr als ausreichend für das Rad.

Lichtanlage

Unter der IQ-X befindet sich die vorgeschriebene Hupe. Diese tönt laut, schrill, piezo-artig. In 95% aller Fälle ist die Klingel die bessere Wahl.

Als Frontscheinwerfer kommt eine Busch+Müller IQ-X zum Einsatz. Und, ich muss ehrlicherweise sagen: Das ist für mich auch das unterste Ende der Nahrungskette. Die IQ-X leuchtet ordentlich weit nach vorne aus, um auch nachts außerorts mit hohen Geschwindigkeiten zu fahren. Im Wald ist mir die Seitenausleuchtung jedoch zu wenig: mehr als 35 km/h konnte ich hier nicht ohne schlechtes Gewissen fahren. Es wäre sehr wünschenswert, würde QWIC bei der Konfigurierung ein Beleuchtungsupgrade ab Werk anbieten.

Auch, wenn Handyfotos von Ausleuchterungscharakteristika immer eine recht geringe Aussagekraft haben, hier mal die IQ-X im Vergleich mit einer Lupine SL BF an ungefähr dem gleichen Ort:

Schutzbleche

Und hier ist das heimliche Highlight der Komponentenliste: Die Qualität der verbauten Alu-Schutzbleche ist der Wahnsinn! Die stabile Konstruktion lässt ein Verwinden per Hand kaum zu. Außerdem ist der Vorderrad-Schmutzfänger nochmal mit einem Gummielement nach unten verlängert. Spritzer auf Hose oder Antriebsstrang werden so nochmal deutlich reduziert. Ganz dicker Daumen nach oben!

Gepäckträger

Vaude Gepäckträgertaschen nagen an allen Holmen. Deshalb: Isoliertape!

Der Gepäckträger trägt Lasten bis 25 kg. Statt eines Federspanners ist ein Gummiriemen mit dabei, welcher nicht längs, sondern quer über den Gepäckträger fixiert ist. Gepäckträgertaschen wie z.B. Vaude Aqua Back können problemlos eingehängt werden. Hierzu habe ich allerdings den Gummiriemen entfernt.

Federgabel

Mit der Suntour E45 Mobie Air hat QWIC eine grundsolide Luftfedergabel mit Lockout-Funktion verbaut, welche sich individuell und stufenlos regulieren lässt. Mit an Bord ist natürlich hier auch die berüchtigte Q-Loc Schnellspannerachse, die mir bei meinem Haibike im Winter schon mal um ein Haar festgegammelt wäre. Hier beim Ganzjahreseinsatz auf jeden Fall auf gute Schmierung achten!

Reifen

Mit dem Schwalbe Marathon GT in 50er-Breite sorgt QWIC zwar für den nötigen Komfort, hat aber hinsichtlich der Fahreigenschaften am absolut falschen Ende gespart: Dass der Marathon GT auf kaltnasser bzw. verdreckter Asphaltdecke stark zum wegrutschen neigt, konnte ich selbst im kurzen Testzeitraum mehr als einmal erleben. Da SPed-Pendler nun in der Regel keine Schönwetterfahrer sind, sondern den Anspruch an den Tag und ihr Fahrzeug legen, möglichst ganzjährig und bei Wind und Wetter das Rad zu nutzen, sollte man sich beim Kauf des RD11 gleich vernünftige und geeignete Mäntel mit einpacken lassen.

Seitenständer

Hach, Fahrradständer! Du so oft übersehenes Detail! Das RD11 besitzt einen vernünftig auf Höhe des Hinterrads positionierten Seitenständer, welcher das Rad stabil hält, bei Wartungsarbeiten nicht stört und eingeklappt nicht klappert.

Und ja, das ist gar nicht mal so häufig, weshalb eine spezielle Erwähnung schon mal an der Tagesordnung ist.

Rückspiegel

Der Rückspiegel sitzt außen am linken Lenkerende. Im Gegensatz zu Lösungen, die den Spiegel über oder unter den Griff platzieren, ist die Übersicht über den nachfolgenden Verkehr auf jeden Fall besser. Allerdings bedeutet die Position natürlich, dass das Rad etwa 10 cm breiter ist. Gerade, wenn das S-Pedelec im Haus oder der Wohnung abgestellt wird, sollte man den Spiegel immer einklappen – und natürlich jedes Mal vor Fahrtantritt neu ausrichten.

Kabelmanagement

Die zum Lenker führenden Kabel sind allesamt im Unterrohr geführt, treten oberhalb des Akkus aus dem Rahmen und spinnen sich um den Vorbau an die jeweiligen Lenkerenden. Dies sieht etwas arg ungeordnet aus, ist aber Meckern auf hohem Niveau und nichts, was man nicht mit ein paar cm Spiralschlauch in den Griff bekommen würde.

Fahrverhalten und Ergonomie

Die verbaute Suntour-Federgabel sorgt in Verbindung mit den breiten 50er-Reifen für ein komfortables Fahrverhalten. Das RD11 ist außerdem ab Werk mit einer gefederten Sattelstütze ausgestattet, über die ich gerne auch berichtet hätte. Leider ist die Stütze allerdings so kurz, dass sie für mich bei 1,90 Körpergröße nicht ausgereicht hat: der ästhetische Knick im Oberrohr hat zur Folge, dass man unter Umständen eine längere Sattelstütze benötigt, als man gewohnt ist.

Halb so wild. So ein Brooks steht aber auch jedem Rad…

Beim freihändigen fahren neigt der Lenker zum flattern. Generell sitzt man sehr aufrecht auf dem RD11 Speed. Das ist zwar bequem, allerdings natürlich hinsichtlich des Windwiderstandes recht mies.

Zur besseren Haftung sind Pedale mit rutschhemmender Oberfläche verbaut. Diese habe ich schon beim Klever X-Speed kennen und schätzen gelernt – an meinem Haibike fahre ich mittlerweile ähnliche Modelle. Auch beim QWIC war ich vollkommen zufrieden.

Um die Sitzposition an die individuelle Größe anzupassen, hat das QWIC RD11 Speed ab Werk einen höhenverstellbaren Vorbau verbaut. Das ist alleine insofern schon genial, weil der Tausch und die Individualisierung solcher Komponenten bei S-Pedelecs natürlich immer ein „Geschmäckle“ hat.

Die Telefonhalterung von SP Connect ist nicht mit dabei, aber dennoch zu empfehlen.

Zur sicheren Verwahrung tragen manche SPed-Piloten ihr Vehikel auch gerne mal bis ins Büro oder Schlafzimmer. Auch ich trage mein Fahrrad in der Arbeit eine Etage hoch, weshalb ich mich immer freue, wenn man ein Rad vernünftig „anpacken“ kann. Beim RD11 ist das übers Sattelrohr recht problemlos möglich.

Es gibt sogar eine Aussparung im Kettenschutz, damit man sich die Hand besser einsauen das Sattelrohr besser greifen kann.

Anleitung

Wie schon in der App finden sich auch in der Betriebsanleitung zum QWIC mehr oder weniger haarsträubende Übersetzungsfehler. Der korrekte Inhalt ist allerdings immer nachzuvollziehen. Brenzliger wird es da schon eher bei den rechtlich höchst fragwürdigen Informationen zur S-Pedelec-Nutzung in Deutschland:

Von Speed Pedelecs wird erwartet, dass sie die
Verkehrsregeln für Mopeds einhalten. Beispielsweise
dürfen Sie innerhalb von Ortschaften keine Radwege
verwenden, es sei denn, ein Verkehrszeichen erlaubt
dies ausdrücklich. Außerhalb von Ortschaften muss ein
Speed Pedelec auf dem Radweg fahren. Auch hier gilt eine
Ausnahme, wenn Verkehrszeichen angeben, dass Mopeds
auf dem Radweg nicht erlaubt sind.
Wenn der Motor ausgeschaltet ist, gelten in Deutschland
die gleichen Verkehrsregeln wie für ein Fahrrad. So können
Sie uneingeschränkt auf allen Radwegen fahren.

QWIC Performance Series 2020 Manual, Seite 91

Zwar folgt auf diese zweifelhafte Aussage ein Disclaimer a la „Das Verkehrsrecht kann sich permanent ändern, dies ist keine fundierte Aussage“. Jedoch hätte QWIC gut daran getan, diese Tips zur korrekten Nutzung komplett wegzulassen.

Ein einfaches „Bei Fragen zur rechtlichen Situation des S-Pedelecs in Deutschland kontaktieren Sie bitte Herrn Scheuer“ hätte es auch getan 🙂

Fazit

QWIC schickt mit seinem RD11 Speed die gelungene Weiterentwicklung des RD10 auf den Markt und überrascht auf vielen Ebenen: Ein äußerst attraktiver Kaufpreis, gepaart mit weitgehend gut ausgewählten Komponenten und einem vernünftig dimensionierten Akku sind starke Argumente. Jedoch gibt es natürlich auch Gründe, weshalb das Bike preislich so deutlich unter der Konkurrenz eingeordnet ist. Hier die wichtigsten Pros und Cons:

Stärken

+ Lautloser, verschleißarmer Motor
+ qualitativ hochwertige Komponenten (Bremsen, Schaltung…)
+ gute Verarbeitung
+ höhenverstellbarer Vorbau ab Werk
+ sehr gute Schutzbleche
+ einfaches Akkuhandling
+ passives (lautloses) Ladegerät
+ USB-Anschluss mit Quick-Charge am Lenker (und Akku)

Schwächen

– Motorleistung nimmt mit sinkendem SoC ab
– harter Übergang bei der 45 km/h-Unterstützungsgrenze
– Tageskilometer und Odometer nur in der App einsehbar
– Steuerungsknöpfe für die Unterstützungsstufe teilweise schwer zu bedienen
– Reifen neigen zum Wegrutschen bei nasser/dreckiger Fahrbahn
– App teilweise unübersichtlich strukturiert
– keine Rekuperation

Das QWIC RD11 Speed eignet sich für Einsteiger im S-Pedelec-Sektor, die auf eine Rekuperation verzichten können. Wenn ein Nachladen an der Arbeitsstelle möglich ist und man immer mit voller Unterstützung fahren möchte, ist eine Pendelstrecke von ca 30 Kilometer für das Rad ideal: hier bleibt auf jeden Fall noch genug Puffer, um auch bei starkem Gegenwind oder alterungsbedingt schwächerem Akku noch ohne große Reichweitenangst pendeln zu können.

Größter Wermutstropfen ist unbestritten die sinkende Endgeschwindigkeit bei abnehmendem SOC. In der Praxis wird sich dies allerdings in höchstens ein bis zwei Minuten Fahrzeit Unterschied gegenüber konstant 45 km/h fahrenden SPeds äußern.

Wenn man sich für den Kauf eines RD11 entscheidet, sollte man in erster Linie drei Dinge beachten:

  • Auf jeden Fall den großen 735er-Akku wählen
  • Die Mäntel gegen alltagstauglichere Reifen tauschen
  • insbesondere, wenn man oft nachts außerorts unterwegs ist: ein Beleuchtungsupgrade einplanen.

Zusammenfassend kann man sagen: Das QWIC RD11 Speed kann viel, was seine teureren Nabenmotor-Kollegen auch können, ohne viele Abstriche zu machen – und das zu einem wesentlich niedrigeren Preis.

Es kann gleichzeitig alles, was seine Mittelmotor-Konkurrenten in diesem Preissegment können, kann dabei aber einen größeren Energiespeicher, eine höhere Endgeschwindigkeit und einen verschleißärmeren Antriebsstrang vorweisen.

Auch, wenn alles in die Richtung zeigt: ob es sich beim QWIC RD11 Speed deshalb automatisch um einen „Mittelmotor-Killer“ handelt, ist trotzdem schwer zu sagen. Dies ist zu einem großen Teil nämlich von zwei Faktoren abhängig, die kein Testbericht oder Datenblatt aufzeigen kann: von der Zuverlässigkeit im alltäglichen Dauereinsatz sowie der Schnelligkeit und Qualität der Serviceleistung im Schadensfall.

Eins ist jedoch sicher. Sollte das Gesamtkonzept des RD11 Speed sich im Dauerbetrieb als störungsunanfällig erweisen und QWIC hinsichtlich seines Kundenservices auf Zack sein, würde das bedeuten: die Gründe, als SPed-Einstiegsmodell keinen Direktläufer zu kaufen, hätten sich stark reduziert.

Vielen Dank an das Team von Radsport Trübenbacher // Fahrbar, die diesen kurzen Test ganz unkompliziert möglich gemacht haben!

Habt ihr ein RD11 Speed oder den Vorgänger, das RD10, selbst auch schonmal gefahren oder gar zu Hause stehen? Decken sich eure Erfahrungen mit meinen Eindrücken? Oder wollt ihr mich auf etwaigen Quatsch hinweisen, der mir beim Schreiben unterlaufen ist? schreibt es in die Kommentare!

Veröffentlicht von speeder's corner

Betreiber von speederscorner.com - Blog für S-Pedelec-Kultur in Deutschland. Hier schreibe ich über die allgemeine Situation aber auch meine persönlichen Erlebnisse mit dem schnellen Pedelec im ganzjährigen Pendeleinsatz.

5 Kommentare zu „QWIC RD11 Speed (2020)

  1. Mit den Reifen habe ich überhaupt kein Problem. Das mit der Geschwindigkeit abhängig von Akku stand ist mir auch nie aufgefallen. Das Rad ist absolut ausreichend für 20km einfache Strecke ohne nachladen während der Arbeit

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