Regen. Dunkel. Ist das ne Fahrerei!

Ein Zweirad als Schönwetterfahrzeug? Pah! Der ambitionierte SPendler kann hier nur müde lächeln. Wenn das Fahrzeug funktionstüchtig und der Akku geladen ist, gibt es eigentlich nur zwei Gründe, das S-Pedelec stehen zu lassen: Unwetter und Glatteis. Für alles andere gibt es passende Ausrüstung.

Wie schön also, dass Petrus im Juni massig Wasser vom Himmel schmiss, damit ich das X-Speed Pinion auch mal auf die Wettertauglichkeit überprüfen durfte. Gekniffen wurde nicht, und somit durfte das Klever-Flaggschiff gegen Niesel, kurze Schauer und auch Starkregen beweisen. Mein Haibike verlangt nach einer zünftigen Regenfahrt zumindest nach ein paar Minuten Liebe, damit mir die Kette auf der nächsten Fahrt nicht ihren Unmut ins Ohr schreit. Ist das X-Speed durch den Riemenantrieb dahingehend wirklich wartungsärmer?

Als Bonus habe ich dann auch mal auf die Dunkelheit gewartet, um die Nachtfahrtauglichkeit zu testen. Aber so nah am Polarkreis wie wir hier im Allgäu sind, kann das um diese Jahreszeit auch mal bis 22:30 dauern.

Also schnappt euch wie die große Deutsch-Trucker-Countrylegende Tom Astor ein Brot mit Ei und begleitet mich auf meine nassen und dunklen X-Speed-Erfahrungen der letzten Wochen.

Die Regentauglichkeit

Ich bin kein Fan vom künstlichen Spannungsaufbau, deswegen greife ich direkt vorweg: Das X-Speed hat nicht ein einziges mal Ausfallerscheinungen jedweder Art gezeigt, als ich es durch die mitunter sehr nassen und windigen letzten Wochen jagte. Auch bei Kontrolle nach der Fahrt konnte ich nicht feststellen, dass sich irgendwo Wasser sammelt. Das Display bleibt clean, die Kontakte von Akku zum Rad auch – so soll das sein. Daumen hoch, Klever!

Die Schutzbleche – Dass eine Zusatzstrebe dem Blech am Vorderrad gut tun würde, hatte ich im Ersteindruck bereits geschrieben: Egal ob Spazierfahrt oder Hochgeschwindigkeit, der Spritzschutz flattert munter durch die Gegend und arbeitet langsam aber stetig auf seine persönliche, ultimative Freiheit hin. Glücklicherweise tut das der Funktion überhaupt keinen Abbruch: Selbst die dicken Super Moto X-Mäntel schaffen es nur bei verdammt viel Niederschlag, etwas Wasser am Blech vorbei gen Fahrer zu schleudern. Wie schon vor ein paar Wochen vermutet, brilliert hier das tief gezogene vordere Schutzblech. Die Füße und die Pinion werden hierdurch geschützt. Ansonsten kommt das einzige Nass, um das man sich kümmern muss, vom Himmel. Oder vom Vierzigtonner, der einem gerade auf der Landstraße entgegenkommt. Blargh!

Stichwort Pinion: So sehr ich die Schaltung im Testzeitraum zu schätzen gelernt habe, aber mit dem Drehgriff stehe ich langsam etwas auf Kriegsfuß: unter Anderem deshalb, weil er bei Nässe viel von seinem Grip einbüßt, das Schalten geht dann nicht mehr so leicht von der Hand. Kleine Sache, aber dennoch nervig.

Schon sind wir beim Gates-Riemen angelangt. Und ja, hinsichtlich Schietwetter ist der wirklich eine feine Sache. Nasses Rad nach der Fahrt abstellen, aus dem Ölzeug schälen, duschen, fertig. Am nächsten Morgen geht es weiter (nota bene: Akku laden nicht vergessen 🙂 ). Vermutlich ist hier allerdings etwas mehr Aufmerksamkeit gefragt, wenn man auch viel auf unbefestigten Straßen unterwegs ist und dementsprechend mehr Matsch seinen Weg ans Rad findet.

Apropos „was alles seinen Weg ans Rad findet“: Es wird wirklich Zeit, dass Magura mal ernsthafte Konkurrenz im Bereich der Bremsanlagen mit Bremslicht und 45er-Zulassung bekommt. Egal ob MT4e oder MT5e – spätestens, wenn ein Anflug von Feuchtigkeit in der Luft liegt, ist die Geräuschkulisse beim Bremsen ohrenbetäubend. Das muss doch langsam besser gehen – gerade im hochpreisigen Segment!

Viel mehr gibt es nicht zu sagen, und das ist ja auch positiv zu werten: Das X-Speed Pinion verhält sich bei Regen nicht sonderlich anders, als bei Schönwetterfahrten. Und im Grunde kann man auch nicht mehr von einem Fahrzeug erwarten, welches das ganze Jahr über genutzt werden soll.

Das X-Speed bei Nacht

Natürlich hier in erster Linie im Fokus: die Beleuchtung. Die Erfahrung von zwei Wintern hat mich gelehrt, dass eine Fernlichtfunktion bei Überlandfahrten ein absolutes Must-Have ist. Dementsprechend ist es zu begrüßen, dass Klever nun standardmäßig die Supernova m99 mini pro an seine schnellen Pedelecs baut (einzige Ausnahme lt. Klever-Page: das X-Speed Pure).

Nun könnte man diskutieren, ob man bei einem Listenpreis jenseits der 7k-Grenze nicht vielleicht ein paar Euro mehr investiert und hier besser auf das Spitzenmodell, die Supernova m99 Pro gesetzt hätte. Ich für meinen Teil vermisse nichts. Klar, das Tagfahrlicht hätte vielleicht ein paar wh gespart im Gegensatz zum permanent leuchtenden Abblendlicht der Mini Pro.

Aber von der Ausleuchtung her fühle ich mich mit der „kleinen“ Supernova zu keiner Zeit eingeschränkt oder unsicher. Selbst das Abblendlicht leuchtet die dunkle Straße so homogen und weit aus, dass man die 45 km/h ohne Russisch-Roulette-Charakter halten kann. Und die Fernlichtfunktion lässt den Fahrer potenzielle Wildschäden auch in ausreichend großem Winkel erkennen und vermeiden. Zudem finde ich das schlichte Design der Mini Pro sehr passend am X-Speed.

Es leuchtet nicht nur blau. Sondern auch weit!

Hatte ich heute eigentlich schon über den Drehgriff der Pinion geschrieben? Der bekommt nämlich hier im Nacht-Topic auch noch eine extra Erwähnung: Natürlich ist es nicht möglich, in der Dunkelheit zu lesen, welcher Gang gerade anliegt. Ich habe es (in zugegebenermaßen wenigen Nachtfahrten) immer noch nicht geschafft, das blinde Schalten zu perfektionieren. Nervt mich momentan, aber hier tu ich vermutlich durch meine Ungeübtheit dem Schaltsystem Unrecht.

Fazit

Abgesehen von ein paar Abzügen in der B-Note (Wackelbleche, Kreischbremsen und slippery Schaltgriff) ist es dem X-Speed piepegal, wie das Wetter oder welche Tageszeit gerade ist – und es liegt einzig am Fahrer, sich mit genügend passender Kleidung oder ausreichend viel Kaffee zu versorgen, bevor man die Fahrt antritt. Somit verleihe ich dem Klever X-Speed Pinion die goldene „Speederscorner“-Medaille für hohe Alltagstauglichkeit in den Teildisziplinen „Nachtfahrt“ und „Regen“. Der wartungsarme Gates-Riemen ist hier ein Luxus, den ich allerspätestens bei meiner nächsten Haibike-Regenfahrt schmerzlich vermissen werde.

Ihr habt eure Maguras bei Regen stumm bekommen? Tom Astor fandet ihr schon immer maßlos unterbewertet? Das Klever-Fanboy-Gehabe nimmt im Blog langsam überhand? Schreibt es in die Kommentare!

Veröffentlicht von speeder's corner

Betreiber von speederscorner.com - Blog für S-Pedelec-Kultur in Deutschland. Hier schreibe ich über die allgemeine Situation aber auch meine persönlichen Erlebnisse mit dem schnellen Pedelec im ganzjährigen Pendeleinsatz.

4 Kommentare zu „Regen. Dunkel. Ist das ne Fahrerei!

  1. Danke für den Bericht. Bei meinen kreischenden shimano Bremsen haben trickstuff Beläge geholfen. Hab ich für die Maguras auch schon liegen. Vor dem letzten Winter habe ich auch auf den m99 mini pro aufgerüstet. Ist zwar teuer, aber jeden Cent wert. So geiles Licht hab ich nicht mal am Auto. Genau so muss das am S-Pedelec sein!

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  2. Beim Herradeln auf feuchten Wegen musste ich an diesen Beitrag denken. Ein Riemen hat da natürlich schon seine Vorteile! Ich werde heute Abend mal wieder die Kette reinigen und schmieren dürfen. Und das Fett aus den Röllchen popeln (das aber nur selten). Ich will trotzdem nicht auf Riemen umsteigen, weil ich die Nabenschaltungen für zu ineffizient halte, ich will keine Leistung hergeben. Aber wer weiß…
    Was auch für das Klever spricht sind die breiten Schutzbleche, wirklich nicht zu verachten. Und ganz vor allem die Leuchte! Du weißt ja auch wie das am Haibike ist, mäßiges Licht (für motorfreie Räder ausreichend, aber nicht beim S-Ped). Martin – an welchem Rad hast du auf die M99 upgraden können? Ich glaube beim Yamaha PW dürfe das schwierig werden mit dem schwachen Lichtausgang.
    Meine Magura quietschen auch bei Regen. Mit Trickstuff weniger oder gar nicht, aber da war mir der Verschleiß zu hoch. Die Koolstop jetzt halten schon ewig und bremsen genau richtig! Nachdem ich sie abgeschliffen habe, machen sie wenigstens bei Trockenheit kein Geräusch mehr.

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    1. Bei der Frontleuchte am Haibike verstehe ich bis heute nicht, wie es da zur 45er-Zulassung kam. Absolut untauglich. Im Winter 2018 habe ich noch eine Zusatzlampe als manuelles „Fernlicht“ mitgeführt – mittlerweile hab ich auch ne vernünftige, wenn auch teure Lösung von Lupine installiert. Die hat gegenüber den Supernovas den „Vorteil“, dass sie über den normalen Lichtausgang der Bosch DU betrieben werden kann. Die Supernovas werden an Bosch-Systemen direkt an den Akku angeschlossen, die brauchen mehr Leistung. Ob das auch am Yamaha geht: google einfach mal „Supernova Yamaha“, da kommst direkt zur Kompatiblitätsliste.

      Thema Nabenschaltung: ich würde auch niemals nen Mittelmotor mit Enviolo fahren. Der Bosch Performance Speed 2017 ist ohnehin schon leistungstechnisch an der Grenze, das muß nicht noch zusätzlich durch den schlechten Wirkungsgrad verschärft werden. Dazu kommt, dass der Riemen gegenüber der Kette auch nochmal etwas Energie klaut. Die 6 Testwochen haben mich in meiner Grundannahme da ziemlich bestätigt: Der momentan einzige Königsweg ist unbestritten Nabenmotor + Riemen + Pinion. Der Mittelmotor ist immer ein Kompromiss aus erhöhtem Wartungsaufwand (Kettenschaltung) oder Kraftverlust (Riemen. Bestenfalls mit Rohloff, Worst Case mit Enviolo).

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