Hands On – Klever Edition #3: Akkusystem

Dieser Artikel ist Teil einer Testserie zum Klever X-Speed Pinion (2020)

Unter der Rubrik „Hands On“ stelle ich neu erworbene Ausrüstung oder sonstigen Firlefanz kurz vor und beschreibe die ersten Eindrücke. Im Rahmen des „Klever Betatests“ im Mai 2020 geht es hier natürlich auch ums X-Speed Pinion und alles, was da so dranhängt.

Heute: Das Klever Akku-System. Zur Reichweite der beiden momentan verfügbaren Akkugrößen habe ich bereits an anderer Stelle berichtet. Heute soll es um die Alltagstauglichkeit gehen: Größe, Gewicht, Handling und so weiter.

Bevor wir ins Detail gehen, möchte ich erneut mein Loblied auf das externe Akkusystem singen: Die Akkus auf und nicht im Rahmen unterzubringen, ist für mich ein großer Pluspunkt: Gerade im Winter lagere und lade ich meine Akkus gerne bei Zimmertemperatur. Eine interne Lösung mag optisch zwar gefälliger sein, bedeutet aber natürlich ein großes Loch im Rahmen und benötigt einen Deckel, um dieses zu verschließen. Akkuausbau beim Klever bedeutet „Anhalten – Schlüssel rum – rausheben“. Eine Sache von 5 Sekunden. So muss das!

Die Akkus

Klever bietet im 45er-Segment zwei Akkugrößen an: Den „kleinen“ 570 Wh, und den „großen“ mit 850 Wh. Am X-Speed Pinion ist standardmäßig der 850er dran – meiner Meinung nach macht der kleinere auch nur als Zusatzakku Sinn. 2021 möchte Klever noch einen drauf setzen und einen Akku mit 1200 Wh auf den Markt bringen. Auch dieser soll mit den alten Modellen kompatibel sein.

außerdem sehen sie aus wie putzige, kleine Benzinkanister!

Die beiden Akkus sind etwas kleiner, dafür aber auch etwas schwerer als ein Sandwichmaker. Sie verfügen über einen großzügigen Griff und lassen sich dementsprechend gut handeln. Der kleine Speicher ist mit 3,5 kg natürlich merkbar leichter als der 850er (5,1 kg). Auf der Unterseite sitzt der Anschluss fürs Rad, seitlich ist das Schienensystem für die sichere Fixierung.

Oben, neben dem Griff, sitzt unter einer Gummiklappe der Anschluss fürs Ladegerät. Die Abdeckung ist auch nach einigen Wochen Dauernutzung etwas fummelig zu öffnen, hält dafür aber auch sicher dicht. Da die Klever-Akkus auf dem Rahmen sitzen, ist die Ladebuchse auch dann nutzbar, wenn der Akku im Rad hängt. Die Status-LED unterhalb des Anschlusses ist ein Knopf und zeigt bei Betätigung dreifarbig den Ladestand.

Zum Transport eines Zweitakkus bietet Klever den Range Extender an. Diesen habe ich hier bereits ausführlicher beschrieben.

Das Ladegerät

Das Standard-Ladegerät von Klever wiegt gut 1,1kg, hat eine Leistung von 5 A und sitzt in einem Alugehäuse. Im Rahmen des Tests wurden mir zwei Charger gestellt, beide erfüllten ihre Pflicht zuverlässig ohne Ausfälle. Auf der einen Seite sitzt das Kabel zum Akku, auf der anderen das zur Steckdose. Hier sitzt auch ein Kippschalter zum Ein- bzw. Ausschalten. Auf dem Ladegerät zeigt eine dreifarbige LED den momentanen Status an.

Definitiv in den Top 5 der „Dinge, die immer unansehnlich bleiben, unabhängig davon, wie viel Geld man fürs Design in die Hände nimmt“: Ladegeräte.

Genaue Ladezeiten für die beiden Akkus reiche ich noch nach.

Da der Stecker vom Charger zum Akku etwas hakelig beim Verbinden ist und das Ladegerät teilweise schon loslegte, obwohl ich das Gefühl hatte, noch nicht komplett eingesteckt zu haben, bin ich nach kurzer Zeit dazu übergegangen, zuerst alle Verbindungen herzustellen und dann den Kippschalter zu bedienen.

Damit kommen wir allerdings zu den weniger erfreulichen Facts: Der Klever Charger ist nämlich schon seit geraumer Zeit wegen der lauten Geräuschentwicklung des Lüfters in der Kritik und das kann ich nur bestätigen: Die erste Nacht habe ich die Akkus im Keller geladen, und der Lüfter war eigentlich überall hörbar. Seitdem laden die Speicher in der Garage.

Die Wurzel allen Ungemachs.

Für ein Premiumrad mit einem Listenpreis von über 7000€ ist das nicht angemessen. Liebe Klever-Ingenieure: Ich weiß, dass es oberste Prio hat, in erster Linie die S-Pedelec-Modellreihen zu optimieren und zu verbessern – und das schätzen wir auch! Dennoch denke ich, dass es langsam an der Zeit ist, hier tätig zu werden. Ich bin mir sicher, keiner eurer Kunden wird verlangen, dass ihr eine passive Lösung auf den Markt bringt. Aber stellt doch mal ne Woche nen Praktikanten ab, der zumindest nen geräuscharmen Lüfter in die Geräte schraubt.

ich weiß, in der Praxis ist das nicht ganz so einfach. Ich finde nur die Vorstellung charmant. 🙂

Zur Portabilität gibt es nicht viel zu sagen: Ein Kabelsalat, wie auch bei allen anderen Ladegeräten anderer E-Bikes oder Notebooks. Allerdings sollte man den Klever-Charger am besten in ein kleines Täschchen stecken, wenn man ihn beispielsweise in der Gepäckträgertasche mitnimmt. Durch das Alugehäuse läuft man sonst Gefahr, die restliche Ladung zu verkratzen.

Schnittstelle am S-Pedelec

Die Führungsschiene sitzt auf dem Unterrohr und der Stromanschluss ist an das Sitzrohr angebaut. Zum Wetterschutz bei ausgebautem Akku ist unterhalb des Anschlusses eine kleine Gummiabdeckung integriert, welche bei Bedarf hochgeklappt werden kann:

Das Einlegen der Akkus ist keine rocket science, braucht für eine flüssige Durchführung aber etwas Übung. Dadurch, dass der Akku und somit auch der Griff ca im 45°-Winkel gehalten werden müssen, benötigt man beide Hände und es ist manchmal etwas fummelig („fummelig!“ – DAS Wort zum heutigen Blogbeitrag!), die Führungsschiene zu treffen. Aber mit der Zeit geht auch das rascher von der Hand und der Akku rastet mit einem lauten KLACK ein. Mein X-Speed erschreckt sich hierbei immer so sehr selbst, dass das System anspringt. 😉 Habe ich gerade „mein X-Speed“ geschrieben? Verdammt. Ich wollte doch eine gesunde, objektive Distanz zu DEM TESTOBJEKT halten…

Zum Lackschutz bei Ein- und Ausbau des Akkus hat Klever dem X-Speed eine Schutzfolie auf der Oberseite des Unterrohrs spendiert. Diese hat definitiv ihre Daseinsberechtigung, da die Schiene am Akku auch aus Metall ist. Im relativ kurzen Testzeitraum von 4 Wochen haben die Akkuwechsel schon deutliche Spuren auf der Folie hinterlassen. Mir persönlich wäre es noch lieber, wenn die Schutzfolie auch noch über die seitlichen Kanten hinausgehen würde: obwohl ich immer möglichst sorgfältig vorging und nach der Prämisse handelte, es wäre mein eigenes SPed (Verdammt! Schon wieder!), habe ich ohne es zu merken trotzdem schon Spuren im Lack hinterlassen.

das tut mir mehr weh als dem Rad…

Fazit

Das Akkusystem, welches Klever unter Anderem im X-Speed Pinion verbaut, ist sehr flexibel, da es mit allen bisherigen Akkus und laut Aussage der Mitarbeiter auch dem zukünftigen 1200 Wh-Monster kompatibel ist. Die Speicher selber liegen durch den großen Griff und die kompakte Form gut in der Hand, allerdings dauert es manchmal einen Moment, bis man sie auf die Führungsschiene am Radl eingefädelt hat. Wenn man sich hier besonders dumm anstellt, kann trotz Schutzstreifen schnell mal der Lack in Mitleidenschaft gezogen werden. Habe ich gehört. Von einem Freund.

Der 5A-Charger, den Klever seinen Rädern mit auf die Reise gibt, lädt rasch und zuverlässig auf, ist aber hinsichtlich der Geräuschemission ein großes Ärgernis. Hier sollte wirklich mal eine Lösung her – gerade für Fahrer, welche ihren Akku in der Wohnung laden wollen oder müssen, kann das sonst fast zum Dealbreaker werden.

Alles in allem überwiegen jedoch die positiven Aspekte und ich hoffe, dass Klever auch bei zukünftigen Modellreihen noch lange an ihrem auf-dem-Rohr-Akkusystem festhalten werden.

Veröffentlicht von speeder's corner

Betreiber von speederscorner.com - Blog für S-Pedelec-Kultur in Deutschland. Hier schreibe ich über die allgemeine Situation aber auch meine persönlichen Erlebnisse mit dem schnellen Pedelec im ganzjährigen Pendeleinsatz.

7 Kommentare zu „Hands On – Klever Edition #3: Akkusystem

  1. Danke für den ehrlichen Bericht. Ich stimme dir bei allem voll zu. Interne Akkus sind einfach doof. Zudem könnte ich mein Rad dann bei der Arbeit gar nicht laden. Die Stromer Variante ist da noch am praktischsten. Das einfädeln des Klever Akkus fand ich aber auch doof. Mit dem großen 1200Wh Akku dürfte das spannend werden.
    Da muss ich wirklich die Oldschool Bosch Henkelakkus loben. Sind zwar nicht so schickt, aber die Verriegelung funktioniert wirklich intuitiv. Bei meinem S-Pedelec it der Akuu zudem optisch ganz schick integriert.
    https://crazy42wheels.com/2019/10/24/1000km-diamant-zouma-s-und-vergleich-mit-klever-x-speed/

    Ich lese gespannt weiter!

    Grüße, Martin

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    1. Hey Martin, danke für deinen Kommentar! Ich muss unbedingt schauen, dass ich meine Finger mal an ein Stromer bekomme…
      Zum 1200er-Akku kann ich noch berichten, dass die Klever-Guys mir bei der Übergabe erzählten, zur Fixierung im Rahmen würde zusätzlich zur Schiene noch eine weitere Sicherung nötig sein – Klar, das Ding wird ja bestimmt stramm in Richtung 8 kg gehen, würde ich mal schätzen. Bin gespannt, wie die Lösung aussehen wird.
      Deinen schönen Vergleichsbericht mit dem Diamant habe ich natürlich schon gelesen – bei mir steht auf jeden Fall auch noch ein großer Artikel zum Thema Bosch vs Klever auf dem Programm. Aber da gibt es davor noch andere Ideen, die ich umsetzen möchte, so lange das X-Speed noch in der Garage steht 🙂

      VG Tobi

      ach ja: auf den Formfaktor der 500er Bosch Powerpacks lasse ich auch nix kommen. Nach wie vor genial!

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  2. Hallo Thedorn, danke für die tollen Klever-Berichte, ich bekomme langsam Lust, mein E45 zu ersetzen!
    Zum Ladegerät: Kann dir Klever auch das Reiseladegerät zur Verfügung stellen? Ich finde im Netz, auch auf der Klever-Seite keine Bilder dazu. Aber mit einer Ladeleistung von 96 Wh ist es ausreichend, um über Nacht oder während der Arbeit (8-9h) den großen Akku komplett zu füllen. Und es hat wahrscheinlich keinen Lüfter.
    Grüße, Philipp

    Gefällt 1 Person

    1. Ich hatte auch das Reiseladegerät. Aber spätestens beim 1200 Wh wird ein Arbeitstag dann nicht mehr ausreichen. Selbst bei 850 Wh wird das schon knapp. Dafür ist es ohne Lüfter.

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    2. Hey Philipp, danke für deinen Kommentar! Ein E45 ersetzt man doch nicht – man erweitert höchstens die Flotte 🙂
      Reiseladegerät wäre zum Übernacht-laden auf jeden Fall eine Option. Wie Martin allerdings sagt, denke auch ich, dass mit dem 1200er hier allerdings Schluss sein wird.

      Die 5A im Standard-Lader finde ich für die Arbeit schon gut dimensioniert. Auch, wenn man mal nicht gleich nach Arbeitsbeginn den Akku anstöpselt, ist ein Vollladen innerhalb weniger Stunden noch drin.

      Interessant wäre allerdings die Option, den 1200er nur zu Hause über Nacht mit dem Reiselader voll zu laden – und sich in der Arbeit das Nachladen zu sparen. Bis 25 km Pendeldistanz sollte das ein gangbarer Weg sein.

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  3. Integriert heißt bei Akkus doch nicht unbedingt, dass sie nicht abnehmbar sind. Davon gibt es ja nur wenige, in optisch schicken und „getarnten“ Rädern wie bei Coboc.

    Ich stimme Euch trotzdem zu, dass aufgesetzte Akkus einfach praktisch sind, Optik hin oder her. Bei meinem Haibike SDURO kommt noch dazu, dass ich dadurch einen Ersatzakku benutzen kann, welcher wesentlich mehr Kapazität als der originale hat. Einen entsprechenden Intube-Akku für den Kapazitäts-Boost gibt es bisher nicht (z.B. für den Intube-Akku von Bosch).

    Beim Klever gefällt mir, dass alle Akkus abwärtskompatibel sind – so soll es sein!
    Zum Lüftergeräusch: Ich weiß ja nicht welche Anforderungen an Leistung und Größe es da gibt, aber eigentlich müsste sich schon ein leiserer finden. Das ist alles nicht ganz simpel, eventuell müsste auch die Position und Aufhängung geändert werden. Aber wozu heißen sie Klever, wenn sie nicht clever genug wären für eine gute Lösung?!

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