Mit Bulldozern Sandburgen bauen – das X-Speed Pinion auf Spazierfahrt

Rückblick: Am Freitag den 15. Mai hatte der Klever-Van das X-Speed Pinion vor meiner Tür abgestellt. Freitag. Also noch zweieinhalb Tage bis zum ersten Pendeleinsatz. Zweieinhalb Tage warten, bis das volle Potenzial des 600w-Motors im harten Alltag getestet werden kann. Das kanns ja nicht sein, irgendwas muss man doch bei bestem Wetter mit diesem Gefährt tun – was lag also näher, als die fürs Wochenende geplante Familienradtour mit dem X-Speed zu bewältigen?

stay safe at Via Claudia Augusta

Natürlich sollte die Ausflugsfahrt trotzdem Testcharakter besitzen, deshalb hier die Fragen und Aufgaben, welche ich auf meine mentale Liste setzte:

  • Wie ergonomisch sitzt es sich jenseits der 60 min auf dem X-Speed?
  • Kann das X-Speed mit seiner starken Leistung überhaupt „Spazierfahrt„?
  • Wie viel Akku verbraucht man unterhalb der 25 km/h-Grenze?
  • Bonusaufgabe: Wenn schon Spazierfahrt, dann aber auch Fotos!

Vor Jahren las ich ein Interview mit Matt Stone und Trey Parker, den Schöpfern der Serie South Park. Sie sagten, ihre Serie, welche einen äußerst simplen und rudimentären Animationscharakter besitzt, würde unter einem Riesenaufwand in einem großen Team entstehen, so dass man den Eindruck hätte, es würden Sandburgen mit Bulldozern gebaut. Diese Analogie hatte ich am Wochenende auch öfter im Kopf, als ich mit meinem 600w-Speed-Pedelec brav mit 20 km/h hinter dem Kinderanhänger und meiner Frau herzockelte. Also: Rauf auf den Bulldozer und ab dafür!

Der Tag begann mit einem Sakrileg:

Skandal! Aber bevor ihr nun leere Weinflaschen ans Display schmeißt und bei Klever anruft, damit die das Testrad wieder abholen, lasst mich erklären: Der Sattel, der ab Werk am X-Speed ist, ist wirklich furchtbar! Das ist auch nicht weiter schlimm, wie ich finde: Der „richtige“ Sattel ist ne ungemein individuelle Geschichte. Wegen mir könnte Klever den Sattel auch ruhig weglassen. Geht natürlich auch nicht. Aus diesem Grund, vermute ich, wird das X-Speed mit einem Sattel ausgeliefert, der hoffentlich in der Anschaffung nicht allzu teuer ist, optisch schon nach „autsch“ aussieht und beim Draufsitzen diesen Eindruck bestätigt. Vorsicht – auch hier: individuelle Gschicht. Bestimmt gibt es auch Kandidaten, die sich auf diesen Sattel setzen, erleichtert seufzen und dann bis zum Nordkap und zurück fahren. Vermutlich allerdings Leute, die am Nordkap wohnen.

Bei mir musste er auf jeden Fall runter und wurde durch den zwar nicht optimalen, aber immerhin knapp 10.000 km eingesessenen SR meines Haibikes ersetzt (welches mich dabei vorwurfsvoll durch die Lupine anlinste. Ich bin mir sicher.)

Welcome to Allgäu. It’s near Bavaria.

Streckenprofil

Die heutige Strecke führt uns von Waal nach Weilheim in Oberbayern:

  • 53 km
  • 270 hm (aufwärts)
  • Die Reisegruppe besteht aus mir und einem Pedelec mit voll bepacktem Anhänger
  • asphaltierte Strecken werden präferiert, damit der Nachwuchs nicht meutert
  • Fahrtzeit: 3h
  • Durchschnittsgeschwindigkeit: 18 km/h

Wie ergonomisch sitzt es sich jenseits der 60 Minuten auf dem X-Speed Pinion?

Sicherlich: eine 3-Stunden-Fahrt bei 20 km/h ist in einigen Punkten nicht vergleichbar mit einer auf 45 – allein die Unebenheiten würden den Piloten auf Maximalgeschwindigkeit wesentlich stärker durchschütteln und beanspruchen. Dennoch: Rücken, Nacken und auch die Handgelenke geben auch nach einer langen Spazierfahrt schon gute Hinweise darauf, wie langstreckentauglich das X-Speed ist. „le derrière“ möchte ich außen vor lassen, weil die Sattelauswahl von mir ja schon individualisiert wurde.

Ich muss sagen: ich bin zufrieden. Mit dem X-Speed Pinion lassen sich definitiv auch Touren fahren, die deutlich über die Kernaufgabe „in ner dreiviertel Stunde in die Arbeit und abends zurück“ gehen. Besonders angetan hat es mir hierbei der Lenker, welcher leicht geschwungen und somit eine angenehme Entlastung der Handgelenke ist:

Da an meinem Haibike ein Lenker mit dem ergonomischen Charakter eines Besenstils verbaut ist, war das natürlich der Punkt, der mir am eindrücklichsten auffiel. Aber auch sonst fährt es sich recht angenehm und nach drei Stunden gab es auch kein Ziehen im Nacken oder Rücken zu verzeichnen.

Kann das X-Speed Pinion „Spazierfahrt“?

Abgesehen von den Steigungen (aus dem Lechtal wieder hoch) und direkt nach der großen Pause auf halber Strecke (nach ausgiebiger Rast) bin ich ausschließlich in Stufe 0 gefahren. Nota bene: „Stufe 0“ heißt bei Klever nicht „keine Unterstützung“: auf dieser Stufe fährt der Motor eine Art Kompensationsleistung, um das Radl ähnlich flott bewegen zu können wie ein normales Rad. Geschwindigkeiten von guten 20 km/h sind so in der Ebene gut für einen längeren Zeitraum zu halten.

Bei Steigungen braucht es dann bedingt durch das hohe Eigengewicht der Maschine (jaja, und des Piloten…) dann doch rasch höhere Unterstützung: Ein Wechsel auf Stufe 1 sorgt unmittelbar dafür, dass man dem restlichen Tross auch am Berg davon fährt, wenn man nur etwas stärker in die Pedale tritt. Hier werde ich noch optimieren: Im Menü sind die drei Unterstützungsstufen individuell anpassbar und ab Werk auf „Maximum“ gestellt. Mit etwas reduzierter Leistung ist der Sprung von 0 auf 1 sicher noch harmonischer zu gestalten.

Wie viel Akku verbraucht man unterhalb der 25 km/h-Grenze?

Als ich am Ziel ausrollte, warf ich einen letzten Blick auf den SoC: Für die 53 km hatte ich gerade mal 25% des 870ers verbraucht. Das lag bestimmt nur an der Supernova! 😉 Das Ladegerät habe ich dann auch gar nicht ausgepackt – die Rückfahrt war auch so locker drin.

Fazit

Jup, geht: Die erste Erfahrung deutet darauf hin, dass das X-Speed Pinion auf jeden Fall Potenzial im Langstreckeneinsatz hat. Trotz seiner sportlichen Erscheinung sitzt es sich nicht unbequem (sofern man den Sattel ersetzt…) und der geschwungene Lenker erhöht gewaltig den Haltungskomfort. Bleibt man unterhalb der 25 km/h, reicht der 850er-Akku ewig und drei Tage. Darüber wird es interessant: Wie bei allen schnellen Pedelecs geht es auch bei X-Speed dann darum, die Balance aus Geschwindigkeit und Reichweite zu halten. Ich denke, spannend wird es bei Geschwindigkeiten um die 30-35 km/h. Aber das wird Thema einer weiteren längeren Fahrt – tempobedingt dann allerdings natürlich ohne Kind und Kegel.

Ihr habt Fragen zum Artikel, möchtet gerne wissen, was auf der Fahrt gegessen wurde oder warum das Layout des Blogs so lieblos aussieht? Schreibt es in die Kommentare!

4 Kommentare zu „Mit Bulldozern Sandburgen bauen – das X-Speed Pinion auf Spazierfahrt

  1. Ich bin gespannt wie sich das X-Speed schlagen wird. Ich hatte ein ganz frühes und bin dann auf Bosch gewechselt. wohl eher ungewöhnlich so herum… Aber damals war der Preis der Qualität absolut nicht angemessen.

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