das Klever X-Speed Pinion

Um ein möglichst störungsunanfälliges, schnelles S-Pedelec zu konstruieren, braucht es vier Komponenten:

  • Einen leistungsfähigen Nabenmotor
  • Riemenantrieb und damit einhergehend Pinion-Schaltung
  • Einen möglichst großen Akku

Trotz der misslichen politischen Lage für S-Pedelecs in Deutschland gibt es ein paar Hersteller, welche dies mittlerweile erkannt haben und sich trauen, richtig interessante Modelle auf den Markt zu bringen:

Sollte ich eins vergessen haben, teilt es mir gerne in den Kommentaren mit.

Tja. Und dann gibt es das neue Klever X-Speed Pinion. Und dieses hat den anderen Mitbewerbern eins voraus: Es hat mit 850 wh einen verdammt. großen. Akku.

Von den Werten auf dem Papier sehe ich es also momentan unangefochten an erster Stelle. Somit freue ich mich natürlich gleich doppelt, dass ich es nun für ein paar Wochen testen kann.

Mein Ersteindruck:

Also. Objektivität in allen Ehren, aber: Das Teil sieht einfach nur klasse aus. Die sehr eigenwillige optische Rahmenkonstruktion wirkt in Natura wesentlich stimmiger als auf den professionellen Bildern, die man im Netz findet. Ein Effekt, den ich übrigens beim R+M Delite auch erfahren habe. Die Lackfarbe „peacock“ wirkt sehr dunkel. Passt.

Der Motor

Klever BIACTRON V2

Der Klever BIACTRON V2 liefert 600w. Auf den ersten kleinen Fahrten war ich als Bosch-Fahrer natürlich hin und weg, wie dich der Motor auf die 45 schiebt. Arg gewöhnungsbedürftig ist für mich noch die Motoransteuerung in Kombination mit der Rekuperation. Bestimmt muss ich mich hier erst einmal aufs neue System eingrooven.

Oh, und apropos „Bosch“: Bei niedrigen Geschwindigkeiten ist die Lautlosigkeit des Nabenmotors natürlich eine Wonne!

Der Antriebsstrang

Riemen mit Pinion C1.12

Nun, was gibt es über die Pinion zu sagen? Nach relativ kurzer Eingewöhnungszeit klappt das korrekte Schalten schon recht zuverlässig. Die anfangs noch etwas schwergängige Nabenschaltung soll laut der Klever-Mitarbeiter nach einiger Zeit leichter zu handhaben sein. Ist aber auch nicht weiter störend. Großes Plus: das Schalten im Stand ist ein Zuckerl, welches ich bereits jetzt sehr genieße.

Der Akku

praktisches Gimmick: Lackschutz am Rahmen für die Akkuentnahme

In einer Welt, in der alle (S-)Pedelec-Hersteller alles daran setzen, die Akkus möglichst dezent in den Rahmen zu packen, setzt Klever nach wie vor auf extern auf dem Rahmen sitzende Energiespeicher. Und ich sage: Ja, verdammt! Genau so und nicht anders! Mehr davon! Was gibt es einfacheres, als in der Arbeit anzukommen: Akkuschloss auf, klick, Akku raus, fertig? Keine gigantischen Löcher im Rahmen, keine lästigen Akkudeckel – Pragmatismus pur. Das ist für mich Alltagstauglichkeit, und auf die kommt es in erster Linie an. Gut, kann natürlich designtechnisch nicht jedem gefallen – ich mag den Akku, welcher nicht nur im entnommenen Zustand an einen kleinen Benzinkanister erinnert (hach, welch Ironie!).

Der Akku selbst ist mit 850 wh meiner Meinung nach gut dimensioniert. Ich bin gespannt, wie weit man im Alltag hiermit kommt.

Ein Wermutstropfen ist ganz klar das Ladegerät: Die aktive Kühlung ist laut. So laut, dass ich mir vorstellen kann, dass man in kleineren, hellhörigen Wohnungen keine Freude damit hat.

Die Bremsen

Die Bremsanlage gibt’s von Magura. Vorne MT5e mit 4 Kolben, hinten die MT4e mit 2. Bremsleistung ist genügend vorhanden. Geräusche auch. It’s a magura thing…

Federgabel und Bereifung

Die RockShox Recon Air sorgt in Verbindung mit den Schwalbe Super Moto X für ein so butterweiches, komfortables Fahrverhalten, dass das ungefederte Hinterrad schon fast einen zu harten Kontrast liefert. Auf jeden Fall sorgt diese Kombination auf den ersten kleinen Ausflügen für ein komplett sicheres Fahrgefühl.

Apropos Komfort: Der mitgelieferte Sattel ist echt übel. Nach der ersten halbstündigen Tour war klar: da muss alsbald ein Ersatz hin, sonst wird das nix mit den Langsreckentests!

Die Schutzbleche

Haha„, lacht der Laie, „die Schutzbleche werden extra erwähnt, wie albern!“ – Nee. Keine Schutzbleche sind was für Schönwetterfahrer oder die „Oma, guck mal, wie dreckig ich geworden bin!“-Fraktion. Nachdem ich wie die meisten anderen Pendler auch keiner von beiden Gruppen zugehörig bin, freue ich mich außerordentlich darüber, dass bei Klever die Pragmatiker gesagt haben „Lass mal das vordere Schutzblech riiichtig weit runter ziehen.“ Gut gemacht! Ich freue mich schon fast aufs erste Sauwetter, um die Funktionalität überprüfen zu können.

Weniger toll ist die Arretierung des vorderen Schutzblech am oberen Ende. Schon bei niedrigen Geschwindigkeiten gibt es hier deutliche Wackelbewegungen. Schleifen tut zwar nix, aber das ewige Leben hat der Spritzschutz somit eher nicht.

Und so endet mein erster kleiner Eindruck des X-Speeds. Mit der Zeit werden natürlich noch weitere Informationen und Erfahrungen geteilt werden. Aber dafür steht natürlich erst einmal eine Sache auf dem Programm: Fahren!

11 Kommentare zu „das Klever X-Speed Pinion

  1. Super! Toll be- und geschrieben! Werde ich richtig neidisch! Und nachdenklich.Habe im November das Code bestellt und es ist immer noch nicht da. Leider ist der Trapezrahmen zu klein – der Schweizer denkt noch in Damen- und Herrenradkategorien – sodass ein anderer Vorbau ran muß und damit eine 300.-€ teure TÜV-Abnahme nötig ist. Wo das Rad eh schon sehr kostspielig ist. Das mit dem Akku sehe ich genau wie du, der vom Code ist für mich eigentlich auch nix: mit 625 Wh zu klein für meine Pendlerstrecke und dazu noch intube. Diesbezüglich erscheint das Klever wie für mich geschaffen.
    Ich hab´s in der Beschreibung nicht gefunden: läuft das Klever unter 36 oder 48V?
    Übrigens fehlt noch das seeehr schönes Pinion S-Pedelec namens Vorradler S3E von Elekrolyte in Deiner Aufzählung – von der Optik her für mich das Schönste.
    Bin sehr gespannt auf weitere Eindrücke von Dir. Allzeit gute Fahrt wünscht
    Gringo

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    1. Hey Gringo, vielen Dank für deinen Kommentar!
      Das Code ist vom Design her (zumindest auf Bildern) tatsächlich mein Favorit – Schade natürlich, dass der Akku so klein dimensioniert ist. Die kostenintensive TÜV-Abnahme macht dann natürlich erst recht keine Freude. Ich hoffe aber, ihr werdet noch warm miteinander. Danke auch für deinen Hinweis aufs Vorradler. Werde ich noch hinzufügen. Aber ich frage mich, ob die das mit dem 522wh-Akku ernst meinen…
      Der Biactron V2 im X-Speed läuft laut Datenblatt mit 44V.
      Viele Grüße!

      Gefällt mir

  2. Schön zu sehen, dass Klever sich weiterentwickelt. Und ich meine nicht die Pinion. Die wird wohl ein teurer Exot bleiben. An meinem frühen X-Speed war eine unsägliche No-Name Gebel verbaut, die Kette sprang dauernd ab und das Display beschlug ständig von innen. Ist die vordere Bremsleitung immer noch im Lenkrohr verlegt? Bei der alten Version konnte die durch die geringe freie Länge beim einfedern in die Speichen geraten !

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    1. Hey Martin, sorry für die späte Antwort! Die Pinion ist in der Kombi Nabenmotor und Riemen momentan nun mal konkurrenzlos auf dem Markt. Ob es beim Nabenmotor unbedingt den Gates braucht, wenn eine Kette durch die verglichen mit Mittelmotorlösungen doch wesentlich geringere Belastung auch recht lang halten würde, sei dahin gestellt. Aber ich finde die Pinionversion des X-Speeds ist konsequent auf Wartungsarmut getrimmt. Ich kenne die alten Klever-Modelle nicht (bin erst zwei Jahre im S-Pedelec-„business“) und lese mich gerade ein wenig durch deinen Blog. Toll geschrieben! Zur Bremsleitung: deine Kritik hat sich Klever zu Herzen genommen: an der neuen Generation sind die Leitungen außen liegend.

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